Nebelida
Schalenamöben
Neue Gattungen

Im Jahr 2016 gliederten Kosakyan, Lahr, Mulot, Meisterfeld, Mitchell und Lara einige bisherige "große" Nebela aus in die neuen Gattungen
Die Mitglieder der vier ersten Gattungen großer Nebelida unterscheiden sich von denen der Gattung Nebela durch die stark längliche Form des Tests, sie sind den meisten Fällen größer. Die Mitglieder der Longinebela haben keinen Kiel. Planocarina haben einen platten Kiel, der Kiel der Gibbocarina ist wulstig-hohl. Mrabella sind mit quadratischen Plättchen bedeckt und besitzen ebenfalls einen Kiel.

Die von mir gefundenen Exemplare aus den ersten drei Gattungen stammen meist aus österreichischen Mooren (Wasserwerte pH 3,5 - 4,5, eL 025 - 060), einige aus dem Ahlenmoor. Sie gelten als tyrphophil, benötigen offenkundig sehr mineralarmes Wasser und werden daher fast ausschließlich in Hochmoorgewässern angetroffen.

Deflandre schrieb 1936 sinngemäß: "Hier im untergetauchten Torfmoos der Hochmoore findet man die großen Nebela: N. galeate, N. penardiana, N. tubulosa, N. carinata und N. marginata".

Jung beobachtete 1936 allgemein, dass in nassen Biotopen eher große Arten vorkommen, während in trockenem Umfeld deren kleinere Verwandte zu finden sind (wie z. B. die sehr ähnliche Nebela tincta f. galeata).

Diese, sowie Padaungiella, Quadrulella, die verbliebenen Nebela und Weitere bilden mit den folgenden Hyalosphenia die Familie der Hyalospheniidae.
 

Neue Gattung Planocarina

Diese neueingerichtete Gattung trägt einen glatten flachen Kiel
quer über die obere Hälfte des Gehäuses.


Diese 188 µm hohe
Planocarina carinata
(carina=Kiel) trägt einen 10 µm breiten Kiel.
210 µm hohes schönes Exemplar aus dem Ahlenmoor mit netzartiger Oberfläche und einem 12 µm breitem Kiel.
Schräg von der Seite zeigt sich der scharfe, hier 12 µm hohe Kamm.
Pseudopodien.


Der Kiel der Planocarina marginata (Ehemals Nebela marginata)
ist dagegen wesentlich schmaler (marginata = mit einem Rand versehen.
Hier ein Vergleich der annähernd gleich großen Arten im selben Präparat.
 


ca. 170 µm hoch, Ibmer Moor.
ca. 170 µm hoch, Ibmer Moor.
Von der Seite,
von oben
auf den Kiel,
und schräg von unten.

Meine Planocarina-Fundorte: Kitzbühel Paradieswiese, Schwemm, Mittermoos und Ibmer Moor, Österreich.
 


Planocarina marginata, schief beleuchtet.




Ein weiteres Exemplar, in der gleichen Technik aufgenommen, mit eher gleichförmigen Xenosomen.
 
Diese Planocarina marginata ist enzystiert, die Öffnung durch ein dickes Operculum verschlossen.
160 µm hoch. Ibmer Moor.



Wilhelm Jung sah (1936) in den beiden Formen carinata und marginata Variationen einer Art und nannte die zweite Form N. carinata f. marginata.
Er fand auch Formen gänzlich ohne Kiel und nannte sie N. carinata f. acarinata (s. unten Longinebela?).
 



Neue Gattung Gibbocarina

Gibbocarina galeata, 182 µm,
mit einem wulstigen Kiel um den Fundus, Mittermoos, Tirol,
seitlich, 238 µm.
Sehr schlanke 256 µm hohe G. galeata, Burgwald.


Gibbocarina orbicularis
(Gibbocarina galeata var. orbicularis Deflandre 1936)


150 µm hoch, 121 µm breit,
Mund 36 µm.
Strawiesen, Redlbach, Österreich.
201 µm hoch, 159 µm breit,
Mund 39 µm, ebenfalls Strawiesen.

Diese Unterart oder Variation wird selten erwähnt und scheint nicht sehr häufig zu sein. Deflandre beschrieb und zeichnete 1936 diese neue Variation/Unterart so: Form eher rund, Kiel reduziert. Harnisch schrieb 1930: „In sehr nassen und submergen Sphagnen und Moosen“.
Jung beobachtete 1936 allgemein, dass in nassen Biotopen eher große Arten vorkommen, während in trockenem Umfeld deren kleinere Verwandte zu finden sind (wie z. B. die sehr ähnliche Nebela tincta f. galeata).


Gibbocarina gracilis

die kleinere Gibbocarina gracilis, 113 µm, Schwemm, Tirol.
120 µm hoch, Ibmer Moor.
Zwei ca. 110 µm hohe Exemplare aus dem Ibmer Moor, frontal und von der Seite.

Neue Gattung Longinebela (ex Nebela)

Longinebela tubulosa,
191 µm, Redlbach, Österreich. Ein beträchtlicher Teil der Oberfläche zwischen den Xenosomen ist unbedeckte (gepunktete) Zementmatrix.
 
218 µm hohe, 111 µm breite Longinebela cf tubulosa, Ibmer Moor.
198 µm hohe lebende Longinebela tubulosa aus dem Burgwald.
Longinebela tubulosa bereitet sich auf die Enzystierung vor. Die Pseudostomöffnung ist bereits durch großes Diaphragma verschlossen.
210 µm hoch, Redlbach.
Longinebela spec. 202 µm, Dennenlohe,
Ausbuchtung auf Höhe der Poren.
Zeichnung von Deflandre: L. penardiana mit Ausbuchtung.
Durch bdelloides Rädertierchen besetzte Longinebela-Schale.
 

Unbestimmte große Nebeliden:

lebendes Exemplar, 175 µm, Mittermoos, Tirol.

Unten Dorsalansicht.

Enzystiertes Exemplar, 123 µm hoch, 81 µm breit, Mund 22 µm. Dennenlohe.
Das gleiche Exemplar, schief beleuchtet.


Gattung Padaungiella

Diese flaschenförmige Padaungiella lageniformis wurde 2012 aus der Gattung Nebela in die neue, nahe verwandte Gattung Padaungiella überführt (Lara und Todorov).
(112 µm hoch - früher Nebela lageniformis).
Vermutlich verwandt und Verwechslungsmöglichkeit mit der Gattung Apodera.

Gattung Quadrulella

Eng verwandt mit den Nebela sind die Quadrulella-Arten, welche quadratrische Idiosomen für die Schalenarmierung selbst herstellen.
Eine der wenigen natürlichen rechtwinkligen Strukturen.
Neben Lesquereusia und Netzelia sind Quadrulella die einzige bekannte Gattung aus der lobosen Arcellina-Familie, die ihre Siliziumschuppen selbst herstellen.

Hier eine 82 µm hohe leere Quadrulella symmetrica (Mittermoos, Tirol)
75 µm hohes Exemplar aus dem Balkseemoor.
(Die größten Schuppen ca 10 µm Kantenlänge)



Die neugeschaffene Gattung Mrabella ist ebenfalls oft mit quadratischen Plättchen bedeckt, ist aber nach neueren Erkenntnissen nicht verwandt mit Quadrulella, sondern eher mit Gibbocarina. Mrabella besitzen ebenfalls einen Kiel. Der Ursprung der quadratischen Plättchen ist bei Mrabella unklar (von Quadrulella erbeutete Xenosomen?).


Gattung Physochila

Physochila cf. griseola, beide ca. 78 µm, Weidmoos.

Die taxonomische Position der Physochila ist unbestimmt. Sie wird zur Nebela-Verwandschaft gezählt. Mögliche Synonyme: Difflugia annulata und Nebela tenella.