Schalenamöben
Neue Gattungen

Im Jahr 2016 gliederten Kosakyan, Lahr, Mulot, Meisterfeld, Mitchell und Lara einige bisherige Nebela aus in die neuen Gattungen
Die Mitglieder der vier ersten Gattungen unterscheiden sich von denen der Gattung Nebela durch die stark längliche Form des Tests, sie sind den meisten Fällen größer. Die Mitglieder der Longinebela haben keinen Kiel. Planocarina haben einen flachen Kiel, der Kiel der Gibbocarina ist hohl. Mrabella sind mit quadratischen Plättchen bedeckt und besitzen ebenfalls einen Kiel.
(nach arcella.nl)

Die unten gezeigten Exemplare aus den ersten drei Gattungen fand ich bisher nur in österreichgischen Mooren.

Diese, sowie Padaungiella, Quadrulella, die verbliebenen Nebela und Weitere bilden mit den folgenden Hyalosphenia die Familie der Hyalospheniidae.
 

Neue Gattung Planocarina

Diese neueingerichteten Gattung trägt einen glatten Kiel
quer über die obere Hälfte des Gehäuses.
Diese 196 µm hohe
Planocarina carinata
(carina=Kiel, Recherfilz, Tirol) trägt einen mehr als 4 µm breiten Kiel.

(Ehemals Nebela carinata)
Planocarina carinata, 191 µm hoch, Kiel 12 µm breit.
Weidmoos.

Der Kiel der Planocarina marginata (Ehemals Nebela marginata)
ist wesentlich schmaler (marginata = mit einem Rand versehen).
 
ca. 185 µm hoch, Tirol.
ca. 169 µm hoch, Ibmer Moor.
Von der Seite,
von oben
auf den Kiel,
und schräg von unten.

Die Planocarina-Fundorte: Kitzbühel Paradieswiese, Mittermoos und Ibmer Moor, Österreich.


Planocarina marginata, schief beleuchtet.


Wilhelm Jung sah (1936) in den beiden Formen Variationen einer Art und nannte die zweite Form N. carinata f. marginata. Er fand auch Formen gänzlich ohne Kiel und nannte sie N. carinata f. acarinata (s. unten Longinebela?).

Diese Planocarina marginata ist encystiert, die Öffnung durch ein dickes Operculum verschlossen.
170 µm hoch. Schwemm, Tirol.

Neue Gattung Gibbocarina

Gibbocarina galeata, 182 µm,
mit einem wulstigen Kiel um den Fundus, Mittermoos, Tirol,
seitlich, 238 µm.
Die seltene Gibbocarina galeata var. orbicularis.
150 µm hoch, 121 µm breit.
Strawiese, Redlbach, Österreich.

Deflandre beschrieb und zeichnete 1936 diese neue Variation/Unterart, Form eher rund, Kiel reduziert.
Jung schlug 1942 vor, sie zu einer eigenen Art zu erheben - eine nachvollziehbare Forderung bei der sehr unterschiedlichen Schalenform.

Gibbocarina penardiana,
lebend, 175 µm, Mittermoos, Tirol.

Unten Dorsalansicht.

Stefan Luketa, University of Novi Sad, schlägt vor, die Art Nebela penardiana aus den Nebela aus- und als Gibbocarina penardiana in diese Gattung einzugruppieren. Begründung sind die Schalenform und -größe, ein andeutungsweise vorhandener Kiel sowie die nahe genetische Verwandschaft (Kosakyan 2012).
In vorauseilendem Gehorsam habe ich die Art dementsprechend hier eingeordnet.
Damit wären alle über 150 µm hohen Arten neu untergebracht.

die kleinere Gibbocarina gracilis, 113 µm, Schwemm, Tirol.

Neue Gattung Longinebela

Longinebela tubulosa,
209 µm, Tirol. Ein beträchtlicher Teil der Oberfläche zwischen den Xenosomen ist unbedeckte (gepunktete) Zementmatrix.
Longinebela cf. tubulosa, 180 µm, Ibmer Moor.
Durch bdelloides Rädertierchen besetzte Longinebela-Schale.

Gattung Padaungiella

Diese flaschenförmige Padaungiella lageniformis wurde 2012 aus der Gattung Nebela in die neue, nahe verwandte Gattung Padaungiella überführt (Lara und Todorov).
(112 µm hoch - früher Nebela lageniformis).

Gattung Quadrulella

Eng verwandt mit den Nebela sind die Quadrulella-Arten, welche quadratrische Idiosomen für die Schalenarmierung herstellen.
Eine der wenigen natürlichen rechtwinkligen Strukturen.
Neben Lesquereusia und Netzelia sind Quadrulella vermutlich die einzige Gattung aus der Arcellina-Familie, die ihre Siliziumschuppen selbst herstellen.

Hier eine 82 µm hohe leere Quadrulella symmetrica (Mittermoos, Tirol)
75 µm hohes Exemplar aus dem Balkseemoor.
(Die größten Schuppen ca 10 µm Kantenlänge)



Die neugeschaffene Gattung Mrabella ist ebenfalls mit quadratischen Plättchen bedeckt, ist aber nach neueren Erkenntnissen nicht verwandt mit Quadrulella, sondern eher mit Gibbocarina. Mrabella besitzen ebenfalls einen Kiel. Der Ursprung der quadratischen Plättchen ist bei Mrabella unklar (erbeutete Xenosomen?).


Gattung Argynnia

Its taxonomic position within Hyalosphenidae or even Difflugina is questionable (arcella.nl).

Vermutlich:
Argynnia cf. crenulata,
88 µm hoch, Recherfilz, Tirol.
Mit zwei nicht identifizierten ca. 30 µm großen Xenosomen (Eunotia Diatomeen?).
Vermutlich Argynnia dentistoma, 80 µm hoch, Balkseemoor.
Vermutlich Argynnia vitraea var. minor (Deflandre 1936).
Seppenröth, Österreich. Hoch 100 µm, breit 94 µm.

Gattung Physochila

Die taxonomische Position der Physochila ist unbestimmt. Sie wird zur Nebela-Verwandschaft gezählt.
Physochila griseola, beide ca. 78 µm, Weidmoos.