Schalenamöben

1.2.2.2 Heleopera

Breite flache Gehäuse (helos=Moor [griechisch], pera=Tasche),
mit breiten Schlitzmund, zum Pseudostom kaum schmaler werdend.

Heleopera petricola

Heleopera petricola, enzystiert, 134 µm, Weidmoos.
H. petricola, enzystiert, 137 µm, Weidmoos.
Ca.100 µm hohe Heleopera petricola mit vielen Xenosomen auf dem Fundus, encystiert, Mittermoos, Tirol.
H. petricola, leere Schale, 136 µm hoch, 118 µm breit. Strawiesen, Redltal, Österreich.
Heleopera petricola,
Zeichnung von J. Leidy.

J. Leidy über H. petricola: "… is found in sphagnum in association with [H. sphagni] … In most cases I have found the animal in the … encysted condition, and rarely have I seen it in an active state …
The fundus … is more or less loaded with large … quartz-sand."


Zwei große aktive Exemplare aus dem Weidmoos, Österreich. Links 142 µm, rechts 148 µm hoch. Das rechte Exemplar hat auf dem Fundus Xenosomen stachelartig arrangiert.
 
     Pseudopodien
 

Heleopera rosea

Heleopera rosea, ca 90 µm hoch.
Weinrote Schale, gelbe Lippe, Mittermoos, Tirol.
84 µm hoch, Sphagnum palustre, Balksee-Moor.


Diese ca. 100 µm hohen H. rosea haben ihren Plasmakörper zusammengezogen (enzystiert) und die Gehäuseöffnung durch ein Operculum verschlossen, um Trockenheit oder eine Kälteperiode zu überstehen.
(aus Sphagnum palustre, Balksee-Moor)
 
Das schlitzförmige Pseudostom, Exemplar aus den Balksee-Moor,
Heleopera lassen sich nur ungern in's Maul schauen.
H. rosea lebend, zog bei Licht die Pseudopodien zurück. 157 µm, Balksee-Moor in feuchtem Sphagnum palustre.
H. rosea und H. petricola sind sehr ähnlich, vermutlich sind sie Variationen einer Art.
 



Heleopera rosea vor der Trennung. Die gelbe Lippe der Mutter ist schwach erkennbar, das Tochtergehäuse ist noch nicht ausgefärbt.
Diese Aufnahme einer Schärfeebene zeigt beide Plasmakörper. (Hl. Meer Gebiet).

Heleopera sphagni

Heleopera sphagni (früher H. picta), links 114, rechts 100 µm hoch,
beide Mittermoos, Tirol. Die Schalen sind eiförmig, durchscheinend bräunlich oder gelblich. Die Algensymbionten scheinen lebenswichtig (Mehr über die symbiontischen Zoochlorellen im Kapitel „Systematik“).

In der Regel besteht die Schale aus unregelmäßigen transparenten Schuppen. Die meisten meiner Exemplare jedoch tragen Diatomeenschalen. Ausnahme das Exemplar in der zweiten Reihe links.

Penard 1902: "… de temps à autre on trouve des coques … couverte de fine stries, parallele deux à deux ... des diatomées qui remplacent … les écailles habituelles." Beim rechten Exemplar verschließt ein Epiphragma die Mundöffnung, anscheinend als Vorbereitung zur Encystierung.
J. Leidy über die enzystierten Formen: "Commonly a clearer central spot of the ball betrays the presence of a nucleus"
… und allgemein: „Sie [H. sphagni] hat die gleiche helle Färbung wie Hyalosphenia papilio, mir schien sie jedoch weniger anmutige Proportionen und Schönheit zu besitzen.“

Diese 107 µm hohe absterbende und fast leere Schale ist mit Diatomeenschalen bedeckt.

Die letzten symbiontischen Algen verlassen das Schiff.

Diese Algen sind selbständige Organismen, die auch ausserhalb der Schale lebensfähig sind. Für die Testacee dagegen sind diese Algen unverzichtbar.

Bei der Zellteilung erhält jede Schale einen Algenvorrat, der sich selbständig vermehrt.

Enzystierte Exemplare (Mittermoos, Österreich):


Zeichnung von Leidy.
93 µm hoch, Torfmoosfeld Ahlenmoor.
 


Heleopera sylvatica

Die kleine Heleopera sylvatica, links ~70 µm, rechts ~60 µm.
Balksee-Moor in feuchtem Sphagnum palustre.
 

Größenvergleich:

Links: H. sylvatica, 65 µm,
Rechts: H. rosea, 100 µm.
Zusammen gefunden in feuchtem Sphagnum palustre, Balksee-Moor.


Verwechslung möglich mit der zur Familie Heleoperidae
zählenden seltenen Gattung Awerintzewia.