Schalenamöben

A.2.3 Centropyxis

Auch die Stachelamöben (Gattung Centropyxis) gehören zur Difflugina-Gruppe.
[Griechisch kentron=Stachel, puxis=Box]. Ihre Verstärkung durch Quarzkörner oder Kieselalgen hängt von deren Verfügbarkeit ab. Fehlen diese in der Umwelt der Mutterzelle, bleibt das Tochtergehäuse ohne Armierung.





Netzel beschrieb, dass, wie bei Arcella (siehe dort), auch bei Centropyxis die Chitinschale aus thekagenen Granen verstärkt ist. Es entsteht aber kein Wabenmuster, sondern eine körnige Oberflächenstruktur.

Armierung durch Quarzkörner (89 µm hoch).
Hier wurden Diatomeenschalen zur Verstärkung eingebaut.
Quarzkörner oder Diatomeenschalen standen offenbar im untergetauchten Torfmoos nicht zur Verfügung, daher hat dieses 97 µm hohe Exemplar sein Gehäuse nur mit ca. 9 µm großen Euglyphaschalen verstärkt.
Die Schale dieses Exemplars besteht nur aus dem körpereigenen Chitin, ohne verstärkende Xenosomen. (102 µm hoch, 104 µm breit).

Noch nicht gefärbte, nicht mit Xenosomen bedeckte 184 µm große Centropyxis cf. discoides.
Balksee-Randmoor.


Centropyxisarten sind äußerst variabel, Schalengröße, Anzahl und Form der Stacheln sind bei der gleichen Art unterschiedlich. Die Identifizierung der Arten ist daher Spezialistensache. Nach derzeitiger Meinung der Fachleute sollten bis zu einer Klärung die bestachelten Arten C. aculeata und C. discoides, sowie die unbestachelte C. ecornis im Aculeata-Komplex zusammengefasst werden. (Foissner und andere, Lahr und andere 2008)
In manchen Arbeiten gibt es eine weitere Unterscheidung der stacheltragenden Centropyxis: C. spinosa wird beschrieben als flacher, zarter und ohne Xenosomen.


Rechts: Schnitt durch eine Centropyxis aculeata.
Man erkennt die Verstrebungen zwischen Mundöffnung und Gehäusedecke ...
... und die in der Seitenansicht typische Kappenform.

C. spinosa, zählen wohl zum Aculeata-Komplex. Rechts 105 µm hoch.

Kleine Centropyxis mit ausgestrecktem Pseudopodium.
Der Körper füllt das Gehäuse nicht aus, die dunklen Stellen um die Mundöffnung sind die Füße der Verstrebungen zur Gehäusedecke.
---
Centropyxen sind scheu und man bekommt die Scheinfüßchen selten zu Gesicht.

Eine große Centropyxis
discoides oder aculeata,
145 µm breit.


Stachellose Centropyxis-Arten:

Vermutlich C. aerophila,
52 µm hoch.
C. sylvatica oder constricta?
68 µm hoch.
vermutlich C. constricta,
65 µm

Diese drei Arten sollten nach neuen Erkenntnissen im Aerophila-Komplex zusammengefasst werden (Foissner, Korganova 2000). Sie bevorzugen trockenere Lebensräume.

Schalen dieses Komplexes bestehen aus zwei Teilen, der eigentlichen Schale mit der seitlich versetzten Mundöffnung und dem davorliegenden Visier.
(Zeichnung nach Eugène Penard)
Hier schräg von unten ein 86 µm langes Exemplar.

Centropyxis plagiostoma,
61 µm hoch, Mund 21 µm.
(Kollbecksmoor)

Zweimal Centropyxis sp. bei der Teilung.

(links C. aculeata, 90 µm breit, rechts vermutlich ebenfalls eine kleine aculeata,
58 µm breit). Links jeweils die Mutterzelle. Die Tochterschale ist noch sehr hell und scheint schwach durch das Muttergehäuse, die Öffnungen liegen übereinander:





... und jeweils in der Seitenansicht.
... oben das Muttergehäuse.
Zur Erklärung rechts eine Zeichnung nach „Inheritance in the asexual Reproduction of Centropyxis aculeata“, F.M. Root, 1917

In alten Wasserproben kommt es regelmäßig zur explosionsartigen Vermehrung von Centropyxis des Aculeata-Komplexes.





Dabei entstehen Variationen und es finden sich sehr kleine Exemplare, aber auch solche ohne oder mit sehr vielen Stacheln (teilweise über 10) …





… oder Missgeburten wie diese,






... selten gegabelte Stachel.