Schalenamöben

A.2.2.1 Nebela

(nebel griechisch Flasche)

Nebela sind eine Gattung der Difflugina, sie sind meist vasenförmig in der Aufsicht, flach von der Seite gesehen, mit schlitzförmiger Öffnung. Meist legen sich die Exemplare flach auf den Objektträger, und man kann sie selten dazu bewegen, ihre Seitenansicht oder Mundöffnung zu zeigen. Nebela benutzen zur Armierung der Schale fast ausschliesslich erbeutete Euglypha-Schuppen.




Gleichmäßig verteilte, nicht überlappende Schuppen,
meist ovale geraubte Euglypha-Schuppen, aber auch erbeutete Nadeln von Sonnentierchen. (Nebela cf. collaris).

Diese Aufnahme bei schiefer Beleuchtung zeigt eine 117 µm hohe Nebela aus der tincta/collaris-Gruppe (vermutlich N. penardiana), aus feuchtem Torfmoos. Gut zu erkennen die Aufhängung des Plasmakörpers in der Schale und die dachziegelartig überlappenden Schuppen. Offenbar verzehrt sie gerade eine Euglypha oder beraubt sie ihrer Schuppen.


Euglypha werden ihrer Schuppen beraubt.

Incystiere Nebela sp. (rotunda ?)
Im oberen Teil links erbeutete,
für die nächste Generation
eingelagerte Reserveplättchen.


Nebela collaris 116 µm hoch in der Drehung.

zwei typische Exemplare aus dem Nebela tincta-bohemica-collaris Komplex,
links 116 µm, rechts 125 µm hoch.

Eine größere Nebela-Art ist Nebela penardiana,
lebend, 175 µm, Mittermoor, Tirol.

Unten Dorsalansicht.


Viele Nebela-Exemplare haben seitlich im Gehäuse Poren. Oft aber fehlen sie oder sind kaum erkennbar, als Artmerkmal sind sie daher nicht aussagekräftig,
auf dem rechten Bild zeigen die Pfeile auf zwei Poren.

W. Jung fand (1936) für die Funktion der Poren bei verschiedenen Testaceen [mit kleinem/engem Pseudostom] folgende mögliche Deutung:
     "Eine Erklärung für die Anwesenheit der Poren ist vielleicht folgende: Wenn die Amöbe sich fortbewegen will, muss sie die Plasmamasse durch die Öffnung stecken und füllt dann vermutlich die gesamte Öffnung aus. Für das in der Schale bleibende Plasma könnten jetzt die Poren zum Ausgleich des durch Herausstrecken oder Einziehen des Plasmas entstehenden Unter- bzw. Überdrucks im Schaleninnern dienen."


Nebela militaris 68 µm, bevorzugt saure trockenere Lebensräume.

Im Jahr 2016 gliederten Kosakyan, Lahr, Mulot, Meisterfeld, Mitchell und Lara einige bisherige Nebela aus in die neuen Gattungen
  • Planocarina
  • Gibbocarina
  • Longinebela
  • Mrabella (aus Quadrulella)
  • ausserdem:
  • Cornutheca (mit zwei seitlichen Hörnern, bisher nur in Nordamerika und Ostasien nachgewiesen)
Die Mitglieder der vier ersten Gattungen unterscheiden sich von denen der Gattung Nebela durch die stark längliche Form des Tests, sie sind den meisten Fällen größer. Die Mitglieder der Longinebela haben keinen Kiel. Planocarina haben einen flachen Kiel, der Kiel der Gibbocarina ist hohl. Mrabella sind mit quadratischen Plättchen bedeckt und besitzen ebenfalls einen Kiel.
(nach arcella.nl)

Die unten gezeigten Exemplare aus den ersten drei Gattungen fand ich bisher nur in tiroler Mooren (Kitzbühel-Paradieswiese, Mittermoos.

Diese, sowie Padaungiella, Quadrulella, die verbliebenen Nebela und Weitere bilden mit den folgenden Hyalosphenia die Familie der Hyalospheniidae.
 

Neue Gattung Planocarina

Diese neueingerichteten Gattung trägt einen Kiel
quer über die obere Hälfte des Gehäuses.
Diese 180 µm hohe
Planocarina carinata
(carina=Kiel) trägt einen breiten Kiel (> 4 µm>.
(Ehemals Nebela carinata)


Der Kiel dieser ca. 185 µm hohen Planocarina marginata ist wesentlich schmaler (marginata = mit einem Rand versehen).
170 µm hohe Planocarina marginata von der Seite ...
... und der Blick von oben auf den Kiel.
(Ehemals Nebela marginata), Kitzbühel, Paradieswiese und Mittermoos, Tirol.

Wilhelm Jung sah (1936) in den beiden Formen Variationen einer Art und nannte die zweite Form N. carinata f. marginata. Er fand auch Formen gänzlich ohne Kiel und nannte sie N. carinata f. acarinata (s. unten Longinebela?).
Diese Planocarina marginata ist encystiert, die Öffnung durch ein dickes Operculum verschlossen.
170 µm hoch. Schwemm, Tirol.

Neue Gattung Gibbocarina

Gibbocarina galeata, 182 µm,
mit einem wulstigen Kiel um den Fundus, Mittermoos, Tirol,
die kleinere Gibbocarina gracilis, 113 µm, Schwemm, Tirol.

Neue Gattung Longinebela

Longinebela tubulosa,
209 µm, Tirol. Ein beträchtlicher Teil der Oberfläche zwischen den Xenosomen ist unbedeckte (gepunkteter) Zementmatrix.
Durch bdelloides Rädertierchen besetzte Longinebela-Schale.

Gattung Padaungiella

Diese flaschenförmige Padaungiella lageniformis wurde 2012 aus der Gattung Nebela in die neue, nahe verwandte Gattung Padaungiella überführt (Lara und Todorov)
. (112 µm hoch - früher Nebela lageniformis).

Gattung Quadrulella

Eng verwandt mit den Nebela sind die Quadrulella-Arten, welche quadratrische Idiosomen für die Schalenarmierung herstellen. Hier eine 82 µm hohe leere Quadrulella symmetrica (Mittermoos, Tirol)

Neben Lesquereusia und Netzelia sind Quadrulella vermutlich die einzige Gattung aus der Arcellina-Familie, die ihre Siliziumschuppen selbst herstellen.


Die neugeschaffene Gattung Mrabella ist ebenfalls mit quadratischen Plättchen bedeckt, ist aber nach neueren Erkenntnissen nicht verwandt mit Quadrulella, sondern eher mit Gibbocarina. Mrabella besitzen einen Kiel. Der Ursprung der quadratischen Plättchen ist bei Mrabella unklar (erbeutete Xenosomen?).

Gattung Argynnia

Its taxonomic position within Hyalosphenidae or even Difflugina is questionable (arcella.nl).

Argynnia cf. crenulata,
88 µm hoch, Recherfilz, Tirol.

Mit zwei nicht identifizierten ca. 30 µm großen Xenosomen (Eunotia Kieselalge?).