Schalenamöben

A.2.2.3 Hyalosphenia

Die Glaskeil-Schalenamöben



Hyalosphenia papilio,125 µm hoch.
Die Schale ist gelblich durchsichtig und nicht durch Idio- oder Xenosomen verstärkt. Das bei diesem Exemplar enzystierte Plasma enthält zahlreiche symbiontische Chlorella-Algen. Im oberen Drittel sind zwei Poren sichtbar.



Diese Aufnahme des obigen Exemplars von schräg unten zeigt die abgeflachte Form und den Schlitzmund mit verstärktem Rand. (Ibmer Moor, Tirol)
130 µm hohes aktives Exemplar.
Das Plasma ist an Epipodien in der Schale aufgehängt. Das Plasma verschließt die Öffnung, Druckausgleich erfolgt durch die Poren
(Recherfilz/Tirol).
Die 2007 von Chaim Glück beschriebene Variante. (leere Schale, Recherfilz/Tirol)
Die schiefe Beleuchtung zeigt die Epipodien.
Die Schalenform geht in Richtung der unten gezeigten Hyalosphenia ovalis.
(Mittermoos/Tirol)
Hyalosphenia ovalis, 112 µm, Art ist unsicher, möglicherweise Variation von H. papilio. Unterschieden durch Größe, den breiten runden Fundus, den leicht konvexen Halsansatz und häufig einen unregelmäßigen Kiel. Es wurden bis zu 13 Poren gezählt. (Recherfilz, Tirol)

Die nach Harnisch (1924) für den Sphagnumrasen ursprünglicher Hochmoore typische Thekamöbe. Meine Größenmessungen an sieben Exemplaren: 114-138 µm, Durchschnitt 123 µm, alle mit zwei Poren im Fundus, Leidy hat bis zu sechs Poren gezählt. Schalenmaße lt. Jung: 97-146 µm.
     Booth und Mayers (2010) stellten fest, dass im Schnitt die Zahl der Poren mit höherer Wassertiefe anstieg.
     Bei den abgebildeten aktiven Exemplaren ist das Pseudostom offensichtlich völlig durch das Plasma ausgefüllt. Wie W. Jung überlegte, sorgen in dieser Situation die Poren möglicherweise für den Ausgleich des Innendrucks.


Joseph Leidys Butterflies

„No other lobose rhizopod has more impressed me with its beauty than this one. From its delicacy and transparency, its bright colors and form, as it moves among the leaves of sphagnum, desmids, and diatoms, I have associated it with the idea of a butterfly hovering among flowers.“

[Keine andere Schalenamöbe hat mich so durch ihre Schönheit beeindruckt wie diese. Wegen ihrer Zartheit und Transparenz, ihrer hellen Farben und der Form, und wie sie sich so durch Torfmoos, Zier- und Kieselalgen bewegt. Ich hatte dabei die Vorstellung eines Schmetterlings, der zwischen Blüten herumschwebt.]




Hyalosphenia insecta




98 µm hoch, 45 µm breit.



Die regelmäßigen Dellen dieser Schale bis zum Hals weisen sie als H. insecta aus, obwohl sie mit 96 µm über der beschriebenen Größe liegt.
Auch hier wieder der schräge Blick auf die abgeplattete Form und die Mundöffnung.

Hyalosphenia elegans



95 µm hoch, 48 µm breit.
Joseph Leidy vermutete, dass es sich bei der hier sichtbaren Ansammlung von Bällchen im Hals um Ausscheidungen handelt. (S. 142 und Tafel XX Nr. 24 und 29)

Vermutlich H. elegans 85 µm hoch. Die Schale ist viel ungleichmäßiger gebeult als bei der obigen H. insecta.
Auch hier im Hals ein Kotbällchen?
Dieses untypische, weil völlig glatte, Exemplar ist knapp 100 µm hoch. In der Regel trägt diese Art deutliche unregelmäßige Dellen.
O. Harnisch schrieb 1938: leere Schalen mitunter ohne Wellen.
Schiefe Beleuchtung per Kreutz-Blende, aus drei Ebenenfotos gestackt.
Interessant ist, dass alle oben gezeigten Exemplare aus der gleichen Moorwasserprobe stammen, (Ibmer Moor, Tirol).
Joseph Leidy schrieb: „[H. elegans is...] abundant in sphagnum in the same locality“. Für Leidy und Pénard gab es nur die Art H. elegans.

Erst 1938 hat O. Harnisch H. insecta als eigenständige Art ausgegliedert. Harnisch beschreibt die Artunterschiede so:

H. elegans: Mehr beutel- als flaschenförmig, Hals mehr allmählich in den aufgetriebenen Hinterabschnitt übergehend. Länge meist etwas weniger als doppelte Breite ... Buckel, die nicht auf den Halsteil übergreifen. 90-110 µm.

H. insecta: Graziler, mehr flaschenförmig, Hals schärfer vom verdickten Hinterabschnitt abgesetzt. Länge mehr als doppelte Breite ... Buckel bis fast zur Mündung. ~ 80 µm.

Th. Grosspietsch machte 1958 diesen Unterschied nicht, er beschrieb nur H. elegans. Da die beiden Arten regelmässig zusammen gefunden werden, könnte man Modifikationen einer Art vermuten, die wieder ge'lumpt' werden sollten.